Kultur-TV-Lightfields

Posted by admin on March 30, 2013

lief Februar – März 2013 in England auf ITV.

Lightfields ist ein Bauernhof in Suffolk, die Erzählzeit wechselt zwischen den Jahren 1944, 1975 und 2012.

1944 ist Lightfield noch ein Bauernhof, mit Waltons Flair. Die Angst vor Mr. Hitler ist allgegenwärtig, das Leben will trotzdem gelebt werden. Aus Angst vor den V2 Raketen sind die beiden Schwestern Vivien (noch im Vorschulalter) und Eve (18) nach Suffolk evakuiert worden, wo sie sich schnell mit der Familie Felwood, den Farmern auf Lightfield, anfreunden. Eve hilft im Haushalt und befreundet sich mit der 17 jährigen Tochter des Hauses, Lucy. Viviens einziger Freund im Ort ist der neunjährige Pip Felwood. Gemeinsam spielen sie Detektiv und wollen Nazispione enttarnen. Eve lernt beim Tanz Dwight, einen amerikanischen GI kennen, in den sie sich ernsthaft verliebt. Dwight jedoch verfällt Lucy, die seinen Avancen nicht widerstehen mag und dafür ihre Freundschaft zu Vivien opfert. Nachdem Lucy ihre Unschuld an Dwight in einer Scheune verliert, kommt sie ebenda bei einem Brand ums Leben. Auch wenn sich die Dorfgemeinschaft versucht gegenseitig zu versichern, der Brand sei ein Unfall gewesen, bleiben Zweifel. Allen voran Eve ist bemüht, den wahren Hergang des Brandes zu ergründen. Neben ihrem Hauptverdächtigen Dwight geraten auch der Exfreund Nick und Tom, ein Bediensteter des Hofes, Lucys erste Liebe, in Verdacht. Auch die Rolle des Vaters, der sehr ambivalent mit dem Tod seiner Tochter umgeht, ist ihr und dem Zuschauer zunehmend suspekt. Bevor dieser Handlungsstrang jedoch zur vollen Entfaltung gelangt ist, werden immer wieder die Jahre 1975 und 2012 montiert.

1975 mietet Vivien mit ihrer Tochter das längst verlassene Haus. Angeblich will sie dort ein Buch schreiben, aber schnell wird klar, das sie, die das Jahr 1944 vollständig verdrängt hat und keinen der Bewohner des Ortes mehr erinnert, hier von den Schatten der Vergangenheit eingeholt werden wird. Das Haus ist keineswegs verlassen, der Geist Lucys ist allgegenwärtig und das im Sinne des Wortes. Lightfields ist eine Serie, die vom Übernatürlichen (im englischen Supernatural) handelt, ohne dabei in seichte Gewässer abzugleiten. 2012 bewohnen Pips Sohn mit seiner Frau und ihrem Enkel Luke das Haus. Sie bieten, wenig erfolgreich, Bed & Breakfast für Urlauber an und leben in ständiger Auseinandersetzung mit dem Vater ihres Enkels, Paul, der das Sorgerecht beanspruchen möchte. Lukes Mutter starb kurz nach seiner Geburt, so dass Lucys Neffe, also Pips Sohn, und dessen Frau ihn von früh an aufzogen. Lucys Geist erscheint dem kleinen Luke immer wieder und die Sorge seines Urgroßvaters, sie sei kein Schutzengel, sondern wolle Rache, nähert auch den Verdacht gegen ihn, Schuld am Tode seiner Schwester zu tragen.

Die Komposition der Erzählebenen ist virtouos, Kamera und Darsteller sind es auch. Einer dieser Mehrteiler, die pures TV-Vergnügen bieten.

Die Serie basiert auf der Idee zu The Oaks, einer nie realisierten Fernsehserie für Fox, von David Schullner, der u.a. The Event und Desperate Houswives schrieb. Nach seinem Konzept, eine Geschichte an einen Ort zu binden und auf drei zeitlich versetzten Ebenen zu Erzählen, funktionierte auch die Serie Marchlands, die ein Jahr zuvor auf ITV ausgestrahlt wurde.


Martin B. Münch