Cross-Country-Tennis

Posted by admin on April 6, 2013

 

Lost Places

 

Cross-Country-Tennis – Hamburger Tennisschule

 

Langenhorn ist nicht nur die Wiege der Griffelkunst, die 1925 an der Volkshochschule Langenhorn von Johannes Böse ins Leben gerufen wurde. Auch das erste Raucherkino Hamburgs entstand hier mit der Umbenennung des alten Apollo in Smoky. Der Stadtteil, in dem man die Musiker von Slime, Razzia, AAK oder IOAK, aber auch James Last und Rod Gonzales beim Einkaufen traf, bietet neben einer Menge Kultur noch weitere Besonderheiten: Sport, der aus dem Rahmen fällt, hat hier eine Heimat und manchmal gar seinen Ursprung.

Bekanntlich ist auf dem Gelände der ehemaligen Hamburger Tennisschule das „Dirtland“, eine Indoor-Anlage für Freunde des waghalsigen Radfahrens. Sie hat sich, trotz Nutzungsschwierigkeiten, einen Ruf bis in das europäische Ausland erworben (Klang & Farbe berichtete). Unbekannt hingegen ist, dass am gleichen Ort im letzten Sommer auch das Cross-Country-Tennis erfunden wurde. Eine Sportart, die selbst Google während der Abfassung dieses Artikels noch nicht kennt. CCT kann überall dort gespielt werden, wo ein Tennisball vom Boden abprallt, z.B. auf Marktplätzen, Schulhöfen, in Parkhäusern und Fabrikanlagen. Als Schläger kommt jeder Gegenstand in Frage, mit dem der Spieler einen Ball schlagen kann. Etwa Hockeyschläger, Holzbretter, Bierkisten, Gießkannen oder Bratpfannen; allein Tennisschläger sind nicht erlaubt.

 

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Sein Dasein verdankt dieser Sport einer Schnappsidee. Geplant war ein Fototermin an einem der Lost-Places in Hamburg. Um einen Kontrast zur Unwirtlichkeit des verlassenen Platzes herzustellen, sollten einige sympathische junge Leute diesen lebhaft und kreativ nutzen, ohne viel Lärm zu veranstalten. Was lag also näher, als den Tennisplätzen ihre alte Bestimmung wiederzugeben, bereichert um eine kleine Variation. So begaben sich an einem schönen Sommertag im Jahre 2012 ein Dutzend fröhlicher junger Menschen zum Wittekopsweg, um hier geeignete und weniger geeignete Sportgeräte zu erproben. Der Fototermin war schnell vergessen. Aus den geplanten zwanzig Minuten wurde ein Turnier von zweieinhalb Stunden. Spätestens als die ersten Anwohner lachend und applaudierend an den Zäunen auftauchten, war deutlich, dass ein neuer Sport geboren war.

 

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Ob sich dieses Jahr eine Wiederholung am gleichen Ort realisieren läßt, ist allerdings noch ungewiss. Diese, ehemals dem Freizeitsport gewidmete, Fläche wird mittlerweile umfangreich und kommerziel als Parkplatz für Flugreisende genutzt. Dafür spendieren die Nachbarn jedoch keinen Beifall.

 

Nachtrag: Die längsten Ballwechsel wurden mit Gießkanne und Bratpfanne gespielt.

 

Bilder & Text: Martin B. Münch